Our Blog

Photovoltaik in Deutschland – ein turbulentes Jahrzehnt neigt sich dem Ende zu

Written by Bernhard Geisenhofer
09/12/19 - 11:57

Das Jahr 2019 verabschiedet sich langsam aber sicher und somit endet auch eine ganze Dekade an Hochs und Tiefs in der Photovoltaik-Branche. Nach den anfänglich noch guten Aussichten kam es zwischen den Jahren 2011 und 2012 zu einer rapiden und radikalen Sondierung des Marktes: Von ursprünglich etwa 10.000 auf dem Markt agierende Unternehmen (2011) waren bis zu Beginn des Jahres 2013 nur noch etwa die Hälfte übrig. Gleiches galt für die Arbeitnehmerzahl, welche sich im selben Zeitraum von etwa 100.000 auf knapp über 50.000 reduzierte. Die Kürzungen der Einspeisevergütungen, der damit einhergehende Abbau der Förderungen sowie der 52 Gigawatt-Deckel waren deutliche Signale der Politik an die Wirtschaft: Wir wollen keinen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien.

Natürlich hatte man zuvor durch die Verabschiedung verschiedener Beschlüsse, wie z.B. der Änderung des Atomgesetzes (2011) und der Entscheidung des Bundestags den Stromverbrauch durch Erneuerbare auf 80% bis 2050 zu steigern (2010), andere Signale gegeben. Eine klare und langfristige Bekenntnis zur Photovoltaik blieb aber aus.

Durch den Abbruch der Förderungen war der Photovoltaik-Zubau ab 2013 stark rückläufig. Pro Jahr wurden bis 2018 im Durchschnitt nur etwa 2,1 GW neu installiert (zum Vergleich: 2012 etwa 8,3 GW). Innerhalb dieser Zeitspanne geriet die Photovoltaik etwas aus der öffentlichen Wahrnehmung, zumal sich die Windindustrie zum Wegbereiter der Stromgewinnung durch Erneuerbare Energien und gleichzeitig auch zur sozialen Akzeptanz der Bevölkerung mauserte. Im Schatten der Windkraft mussten die Protagonisten der PV-Industrie einem altbekannten Prinzip der Evolutionsgeschichte gegenübertreten: nur wer sich an die neuen Umweltfaktoren am besten und schnellsten anpassen kann, überlebt.

Im Fall der Photovoltaik hatte dies zur Folge, dass der Wirkungsgrad und Preis der Module aufgrund der ausbleibenden Förderungen deutlich attraktiver gestaltet und dadurch die Amortisationszeit für Klein- & Großanlagen verringert werden musste. Heimische Modul- und Wechselrichterhersteller wurden nach und nach von ausländischen Anbietern abgelöst und die Entwicklung und Verwendung neuer Technologien rückte in den Vordergrund. Zum Vergleich: der Netto-Preis pro Kilowatt-Peak (kWp) für typische Privat-PV-Anlagen (bis 10 kWp) hat sich von 2013 bis 2019 etwa halbiert. Dies hat man vor allem in den letzten beiden Jahren spüren können. Während der Anteil der Photovoltaik an der Bruttostromerzeugung in Deutschland zwischen 2014 und 2017 konstant bei etwa 6% stagnierte, betrug der Anteil im Jahr 2018 stolze 7,1% (Statista, 2019). Auf den ersten Blick ist das eine Entwicklung die Mut und Optimismus verbreiten sollt - doch wie geht es weiter? Erleben wir eine weitere Dekade der Unsicherheit oder ist die Branche mittlerweile gereift und steht auf beiden Füßen?

Politisch, sozioökonomisch und ökologisch gesehen, stehen die Photovoltaik und die Erneuerbaren Energien als Ganzes vor einem Scheidepunkt. Während das Bewusstsein der Bevölkerung durch Aktivisten wie Greta Thunberg und durch die für jeden zu spürenden klimatischen Veränderungen endlich erwacht ist, ist der Druck auf die politischen und wirtschaftlichen Machthaber gestiegen. Einen wichtigen Schritt stellte der Beschluss der Bundesregierung im Oktober 2019 im Rahmen des Klimaschutzprogrammes dar: Weg mit dem 52-Gigawatt-Deckel für die Solarförderung im EEG und Ausbau der installierten Leistung auf 98 GW bis 2030.

Das Signal an die Wirtschaft scheint richtig zu sein. Der Geschäftsklimaindex Photovoltaik liegt auf einem Allzeithoch (BSW-Solar, 2019) und Prognosen der EuPD Research sagen voraus, dass es in der nächsten Dekade einen Zuwachs von über 50.000 Arbeitsplätzen im Bereich Photovoltaik & Speichertechnologie geben soll (EuPD Research, 2019). Während die PV-Branche augenscheinlich auf rosige Zeiten zusteuert, stehen die Vorzeichen der großen Schwester Windenergie aktuell in entgegengesetzter Richtung. Nachdem Projektierer und Hersteller mit dem Abbau von Arbeitsplätzen und dem Rückgang an installierter Leistung (Onshore) zu kämpfen haben, werden zusätzliche Steine in den Weg gelegt. Industriegrößen warnen vor dem Gesetzesentwurf zum Kohleausstieg, welcher einen Abstand von Windrädern zu Siedlungen von 1000 Metern vorschreibt. Wenn man sich die Parallelen der Entwicklung der PV-Industrie der letzten Dekade und der aktuellen Lage der Windindustrie vor Augen führt, ist klar zu erkennen dass jetzt die richtigen Anstöße gegeben werden müssen um einen Einbruch zu vermeiden.

Der Ausblick auf das neue Jahrzehnt ist also zweischneidig. Das Bewusstsein der Endlichkeit fossiler Brennstoffe und des bereits eingetretenen Klimawandels ist in den Köpfen der politischen Entscheider und der Bevölkerung angekommen, die nötigen Rahmenbedingungen allerdings (noch) nicht. Es gilt jetzt die Ziele, die man sich bis 2030 vorgenommen hat mit aller Kraft in Angriff zu nehmen, auch wenn diese mit Veränderungen einhergehen die nicht allen Marktteilnehmern oder Individuen gefallen. Nur so kann eine langfristige Erzeugung erneuerbarer Energie und der Erhalt unserer Klimabedingungen gewährleistet werden.

Natürlich darf man sich bei einer erfolgreichen Energiewende nicht allein auf die Entscheidungen der Politik und Wirtschaft verlassen, sondern muss selbst einen Beitrag leisten. Hierbei sollte jedoch nicht gestritten werden wie groß oder klein dieser Beitrag sein muss, sondern welche Konditionen geschaffen werden müssen, um es den Individuen so einfach wie möglich zu machen einen Beitrag zu leisten.

Persönlich bin ich als Personalvermittler im Bereich der Photovoltaik täglich mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Gespräch und spüre die Leidenschaft dieser Menschen etwas bewegen zu wollen. Dies treibt mich an, Unternehmen mit voller Energie dabei zu unterstützen Positionen zu füllen und somit die Arbeitskraft bereitzustellen, die für die Verwirklichung der Umsetzung der Energiewende benötigt wird.

Sollten Sie diesen Artikel lesen und sich für eine Karriere im Bereich der Photovoltaik interessieren oder selbst Stellen in Ihrem Unternehmen zu besetzen haben, würde ich mich freuen mit Ihnen zusammen Möglichkeiten zu besprechen. Positionen, die aktuell besonders gefragt sind:

  • Elektriker zur Installation und Wartung von PV-Anlagen - bundesweit
  • Technische Betriebsführer - bundesweit
  • Projektplaner - Hessen, Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg
  • Projektentwickler - Ostdeutschland, Bayern
  • Projektingenieure - Hessen, Bayern, Baden-Württemberg
  • Projektmanager - bundesweit
  • Vertriebler - bundesweit

Ein spannendes Jahrzehnt steht uns bevor. Lassen Sie es uns gemeinsam gestalten und mit bestem Wissen und Gewissen für nachfolgende Generationen handeln.

 

Bernhard Geisenhofer

Tel.: +49 (0) 40 368 811 992

E-Mail: bernhard.geisenhofer@cathcartenergy.com